Silvester in Island ist zugleich laut und still: Laut, weil die gesamte Insel — besonders Reykjavík — mit einem fast anarchischen Feuerwerksspektakel die Nacht in ein funkelndes Universum verwandelt; still, weil die winterliche Landschaft, die heißen Quellen und die klare, kalte Luft diesem Ereignis eine beinahe magische Ruhe verleihen. Schon Tage vor dem 31. Dezember fallen in den Supermärkten die Schilder für Raketen und Batterien ins Auge, und sobald die Uhr Mitternacht schlägt, schießen aus Vorgärten, Straßenkreuzungen und Parkplätzen unzählige einzelne Feuerwerke in die Luft. Zusammen ergeben sie ein beeindruckendes Gesamtspektakel — kein einzelnes großes Event, sondern die Summe vieler kleiner, privater Shows, die Reykjavíks Nachthimmel in ein strahlendes Lichtermeer verwandeln.
Der Silvesterabend selbst folgt zudem einer sehr gemütlichen, mediengeprägten Tradition: Viele Isländer treffen sich zunächst zu Hause, beim Essen oder in einem Pub, und schalten dann den Fernseher ein, um die jährliche Satire-Show Áramótaskaupið zu sehen. Diese Sendung hat in Island enorme kulturelle Bedeutung und wird traditionell kurz vor Mitternacht ausgestrahlt. Für viele Familien ist das Zuschauen ein fester Bestandteil des Rituals; sobald die letzte Szene vorbei ist, beginnen vielerorts die Feuerwerke.
Trotz aller fröhlichen Raketen gibt es in Island klare Regeln: Feuerwerk darf nur zu bestimmten Zeiten gekauft und abgebrannt werden — in der Regel zwischen dem 28. Dezember und dem 6. Januar. Daher kaufen die Isländer ihre Feuerwerkskörper gebündelt und nutzen genau dieses Zeitfenster. Gleichzeitig ist Vorsicht geboten, denn die Straßen sind voll, der Verkehr unübersichtlich, und Sichtverhältnisse können durch Rauch oder Wetter beeinträchtigt sein.
Wer als Besucher einen guten Blick genießen möchte, findet in und um Reykjavík zahlreiche beliebte Aussichtspunkte: Perlan auf der Anhöhe Öskjuhlíð bietet einen Rundumblick, der Hügel vor der Hallgrímskirkja ist ein Klassiker für das Stadtpanorama.

Der Morgen danach hat seinen eigenen Charme: Viele Isländer nutzen den Neujahrstag, um in die örtlichen Schwimmbäder und Thermalbecken zu gehen — ein ganz normaler, fast banaler Akt der Erholung nach der durchfeierten Nacht. Laugardalslaug in Reykjavík ist ein Beispiel für ein Schwimmbad, das häufig geöffnet ist; die Außenbecken und Hot-Tubs werden nach einer kurzen Nacht zur willkommenen Oase. Wer Neujahr entspannt angehen möchte, sollte also Bademantel und Badekleidung einpacken.
Praktische Tipps für Reisende ergeben sich daraus fast von selbst: Wer an Silvester in der Hauptstadt sein möchte, sollte Unterkunft und Transport rechtzeitig buchen. Außerdem ist warme, winddichte Kleidung ebenso unverzichtbar wie festes Schuhwerk und eine Kopfbedeckung, denn die Null-Grad-Nächte fühlen sich oft deutlich kälter an.
Silvester und Neujahr in Island sind somit ein faszinierender Kontrast aus lärmender Freude und stiller, entspannter Erholung.
Autor: Philipp – Gründer von Dein Island und Autor Reiseführer "Dein Island - 50 Stopps an der Ringstraße"
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