Während sich anderswo der Frühling gerade erst langsam bemerkbar macht, feiern die Isländer bereits den Sommeranfang – und zwar jedes Jahr mit Sumardagurinn fyrsti, dem „ersten Sommertag“. Im Jahr 2026 fällt dieser besondere Tag auf Donnerstag, den 23. April, und er ist in Island ein gesetzlicher Feiertag. Doch warum beginnt der Sommer hier so früh – und warum ist dieser Tag den Isländern so wichtig?
Der Ursprung von Sumardagurinn fyrsti liegt im altnordischen Kalender, den die Isländer über Jahrhunderte nutzten. Dieser kannte nicht vier Jahreszeiten, sondern nur zwei: Winter und Sommer. Der Sommer begann stets am ersten Donnerstag nach dem 18. April, unabhängig von Wetter oder Temperaturen. Das mag für Besucher überraschend sein, denn Schnee, Frost und eisiger Wind sind Ende April keine Seltenheit. Doch genau darin liegt der besondere Charme dieses Feiertags: Er ist weniger eine Aussage über das Klima als vielmehr ein Symbol für Hoffnung, Licht und Neuanfang.
Nach den langen, dunklen Wintermonaten sehnen sich die Menschen in Island nach Helligkeit und Bewegung. Die Tage werden spürbar länger, die Sonne gewinnt an Kraft, und selbst wenn es draußen noch kalt ist, fühlt sich der Sommer gedanklich bereits greifbar an. Sumardagurinn fyrsti markiert genau diesen mentalen Wendepunkt. Viele Isländer verbinden ihn mit Optimismus und der Vorfreude auf die kommenden Monate.
Als offizieller Feiertag ist der erste Sommertag für viele ein willkommener Anlass, Zeit mit Familie und Freunden zu verbringen. Schulen und Büros bleiben geschlossen, Kinder bekommen traditionell kleine Geschenke, und in vielen Orten finden Paraden, Sportveranstaltungen oder lokale Feste statt. Ein alter Volksglaube besagt sogar: Wenn es in der Nacht vor dem ersten Sommertag noch einmal friert, steht ein besonders guter Sommer bevor – Winter und Sommer „frieren dann zusammen“.

Für Reisende ist Sumardagurinn fyrsti eine wunderbare Gelegenheit, Island von seiner kulturellen Seite kennenzulernen. Auch wenn es wettertechnisch noch kein Sommer ist, spürt man an diesem Tag deutlich, wie eng die Isländer mit ihren Traditionen verbunden sind – und wie wichtig ihnen Licht, Gemeinschaft und Zuversicht sind. So erinnert Sumardagurinn fyrsti jedes Jahr daran, dass der Sommer manchmal nicht mit warmen Temperaturen beginnt, sondern mit einer Haltung: dem festen Glauben daran, dass nach dem Winter wieder hellere Zeiten kommen.
Autor: Philipp – Gründer von Dein Island und Autor Reiseführer "Dein Island - 50 Stopps an der Ringstraße"
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