· 

Der Islandpullover Lopapeysa

Die Lopapeysa, der klassische Islandpullover, ist weit mehr als ein hübsches Souvenir. Mit ihren typischen Rundpassenmustern und der robusten isländischen Wolle stehen diese Pullover für Geschichte, Handwerk und Identität. Sie gehören für viele Isländer genauso zum Alltag wie für Reisende zum Island-Erlebnis. Doch gerade weil die Lopapeysa so beliebt geworden ist, sollte man beim Kauf genauer hinsehen – denn nicht alles, was nach Island aussieht, kommt auch wirklich von dort.

 

Der Name Lopapeysa setzt sich aus lopi (ungesponnene isländische Wolle) und peysa (Pullover) zusammen. Charakteristisch sind die geometrischen Muster rund um den Hals, die meist in Naturfarben gehalten werden. Diese Muster sind längst ein Erkennungszeichen geworden, doch die wahre Besonderheit liegt im Material. Die isländische Wolle stammt von einer uralten Schafrasse, die seit über tausend Jahren im rauen Klima der Insel lebt. Sie besitzt ein einzigartiges Doppelfasersystem: eine weiche, warme Unterwolle und längere, wetterfeste Deckfasern. Dadurch sind Lopapeysur gleichzeitig warm, leicht und erstaunlich wasserabweisend – ideal für das wechselhafte isländische Wetter. Das Stricken hat in Island eine lange Tradition. Früher war es für viele Familien überlebenswichtig, heute ist es ein Stück Kultur, das stolz gepflegt wird. Die typischen Rundpassenpullover, wie wir sie heute kennen, wurden zwar erst im 20. Jahrhundert populär, haben sich aber schnell zum Symbol nationaler Identität entwickelt. Viele Isländer tragen sie zu Festtagen oder Outdoor-Aktivitäten, manche sogar zur Arbeit – gerade im Winter. Jede handgestrickte Lopapeysa ist ein Unikat und zeigt ein Stück Kreativität und Handwerk der Strickerin oder des Strickers.

 

Mit der steigenden Nachfrage tauchen immer mehr billige Kopien auf, die oft maschinell in China hergestellt werden. Sie sehen echten Pullovern manchmal verblüffend ähnlich, bestehen jedoch häufig aus Polyester- oder Acrylmischungen. Dadurch fehlt ihnen die Wärme, Atmungsaktivität und Wetterfestigkeit der echten isländischen Wolle. Außerdem haben diese Nachahmungen keinerlei Bezug zu isländischer Tradition oder heimischer Produktion. Der Preis ist oft ein deutliches Indiz – echte, handgestrickte Lopapeysur kosten in der Regel zwischen 150 und 250 Euro, während Nachahmungen schon für wenige Dutzend Euro verkauft werden. Wer eine authentische Lopapeysa kaufen möchte, sollte stets auf Hinweise wie „Handknitted in Iceland“ oder „Made in Iceland“ achten. Viele echte Pullover tragen ein Etikett von Ístex, der wichtigsten isländischen Wollkooperative, oder kommen direkt aus kleinen lokalen Strickgemeinschaften. Das Material ist ein weiterer Faktor: Eine echte Lopapeysa besteht immer aus 100 % isländischer Wolle. Auch der Griff und der leicht schafwollige Geruch sind gute Hinweise auf die Echtheit. Generische Etiketten, synthetische Fasern und Preise unter 100 Euro sind dagegen fast immer Warnsignale für Massenware aus dem Ausland.

 

Philipp im Lopapeysa an der Strandarkirkja
Philipp im Lopapeysa an der Strandarkirkja

Eine echte Lopapeysa ist nicht nur langlebig und warm, sondern auch eine nachhaltige Entscheidung. Man unterstützt damit die isländischen Schafbauern, die Wollproduktion und die zahlreichen Strickerinnen und Stricker, die ihr traditionelles Handwerk weiterführen. Zudem ist die natürliche Wolle umweltfreundlicher und robuster als synthetische Alternativen. Wer sich für einen originalen Islandpullover entscheidet, erhält also nicht nur ein qualitativ hochwertiges Kleidungsstück, sondern auch ein Stück Island, das mit viel Liebe und Tradition gefertigt wurde. Tipp: Zu Kaufen gibt es Originale bspw. an Marktständen in Reykjavik oder direkt auf Farmen. Da Schafswolle etwas kratzig ist empfiehlt es sieht ein Langarmshirt drunter zu tragen.

 

 Autor: Philipp – Gründer von Dein Island und Autor Reiseführer "Dein Island - 50 Stopps an der Ringstraße" 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0